Vocal Workshop
Resonanzräume (Teil 2) / Wandstärke(1)
Beim letzten Workshop haben wir erklärt, warum es sich vor allem bei hohen Tönen empfiehlt, den Mund weit zu öffnen und die Zunge nach vorn zu stauchen. Diese beiden Techniken dienen u.a. dazu, dem Ton viel Platz zu schaffen.
Wir haben schon angedeutet, dass wir uns diesmal mit dem Gaumensegel befassen werden. Denn auch mit Hilfe dieser Verlängerung des harten Gaumens kannst du noch entscheidend viel Platz für deinen Ton schaffen, bzw. den Sound gravierend verändern.
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Wie gerade schon angedeutet, ist der weiche Gaumen quasi die Verlängerung des harten Gaumens. Der für uns sichtbarste Teil des weichen Gaumens ist das sog. Zäpfchen. Das ist das kleine, herunterhängende Ding in deinem Mundraum, das man sieht, wenn man mit aufgerissenem Mund in den Spiegel blickt.
Du kannst den weichen Gaumen aber auch erfühlen: Berühre mit deinem Finger den Bereich hinter den oberen Schneidezähnen. Hier erfühlst du den harten Gaumen.
Irgendwann wird der Gaumen weicher, hier beginnt der weiche Gaumen. Man sollte sich bei diesem Versuch allerdings nicht über eine gewisse "Würgegrenze" hinauswagen, das könnte unangenehme Folgen für euren Fußboden haben.
W>enn du gähnst oder staunst, wirst du erfühlen, dass der weiche Gaumen hart wird. Er stellt sich wie ein Segel auf, darum heißt er jetzt auch Gaumensegel (rechte Abb). |
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Mit einem Blick auf das folgende Bild (Abb.13) kannst du erkennen, dass das Gaumensegel auch den Übergangsbereich zwischen Mundraum und Nasenraum darstellt.
Um unseren kernigen, metallischen Trainingston zu erzeugen, müssen wir die Schallwellen in den Mundraum weit nach vorne bringen.
Zwar ist der Nasenraum dem Mundraum an Platz überlegen, jedoch ist es so, dass wir mit dem Nasenraum schlecht artikulieren können, um nicht zu sagen gar nicht.
Oder schaffst du es, "Killing me softly" mit geschlossenem Mund zu singen? Der Mundraum ist also der entscheidende Resonanzraum beim Singen, wobei nasales Singen natürlich als Stilmittel oder zu Interpretationszwecken jederzeit genutzt werden kann (hierbei empfiehlt es sich den Mund, auch bei hohen Tönen recht geschlossen zu halten).
Um aber einen kernigen Ton zu erzeugen, sollten so wenig Schallwellen wie nötig in den Nasenraum gelangen. Also wäre es vorteilhaft, wenn du in der Lage wärst, den Zugang zum Nasenraum zu verschließen. Genau das kannst du mit dem Gaumensegel erreichen, Schau auf die Abb. 14, und stelle dir vor, das herabhängende Zäpfchen würde sich nach oben aufstellen. Der Zugang zum Nasenraum wäre somit versperrt. Wie erreichst du das?
Ganz einfach, wie bereits oben erwähnt:
Wenn du gähnst oder extrem staunst, passiert in deinem Mundraum exakt das eben Beschriebene. Das Gaumensegel stellt sich nach oben auf, verschließt den Nasenraum und der Ton gelangt fast vollständig in den Mundraum geraten. Du solltest also in der Lage sein, solch eine Gähnstellung im Mundraum künstlich zu erzeugen, und zwar besonders bei hohen Tönen. Außerdem vergrößerst du durch das Aufstellen des Gaumensegels automatisch deinen Resonanzraum im hinteren Mundraum. Um das zu trainieren, setzt du dich am besten vor einen Spiegel und sorgst für gute Beleuchtung. Jetzt öffne den Mund ganz weit, achte aber darauf, dass deine Zunge vorne bleibt. Du solltest das Zäpfchen sehen können.
Jetzt atme intensiv ein, so wie beim Gähnen, und du wirst sehen, dass das Zäpfchen langsam verschwindet. Im Idealfall ist das Zäpfchen nicht mehr zu sehen. Versuche dann, den Zustand, in dem das Zäpfchen am weitesten oben ist, zu halten. Vielleicht wird es dir die ersten paar Male nicht gelingen, aber je öfter du das Ganze trainierst, desto mehr Kontrolle wirst du über diesen Bereich erlangen.
Jetzt kommen wir dazu, dir die Technik eines Axl Rose oder Steve Tyler zu erklären
Das Markante an diesen Sängern ist u.a., das sie teilweise im extrem hohen Bereich singen, die mit der normalen Bruststimme gar nicht mehr zu erreichen wären.
Deshalb singen sie solch hohe Töne eher mit einer Mischstimme. Um aber die Mischstimme so kernig zu bekommen, beeinflußen sie den Ton in seinem Charakter noch zusätzlich mit dem Gaumensegel.
Bei dieser Technik muss man in der Lage sein, das Gaumensegel so extrem zu spannen, dass sich nicht nur das Zäpfchen aufstellt, sondern dass sich das gesamte Gaumensegel zu einem umgedrehten "V" formt. Durch diese spezielle Form erzeugt man gewissermaßen ein Ventil für den Ton, durch das sich die hohen, schnellen, intensiven Schallwellen "hindurchzwängen" müssen.
Dadurch werden sie sehr stark gebündelt und gelangen konzentriert nach vorne, ein kerniger Ton ist das Ergebnis.
Man muss wie gesagt sein Gaumensegel absolut unter Kontrolle haben, möchte man diese Technik ausprobieren. Du solltest diese Übung also nicht unbedingt in den ersten Trainingsessions probieren, sondern schon möglichst viel Gefühl für deine Stimme erlangt haben.
Wenn es dir nicht gelingt solche Töne über das Gaumensegel zu produzieren, sondern mit Kraft, wird das fatale Folgen für deine sängerische Zukunft haben!
Für's Erste wirst du ohnehin genug damit zu tun haben, dein Gaumensegel so zu trainieren, dass es sich bei Bedarf aufstellen kann. Für hohe Töne merke dir also: Mund weit auf, Zunge nach vorn, Gaumensegel aufstellen!
So schaffst du optimal viel Platz für die hohen Töne.
Leider reicht diese Techniken nicht aus, um deinen Ton metallisch und kernig zu gestalten. Neben dem Faktor Resonanzräume ist auch der Faktor Wandstärke ganz entscheidend.
Wenn wir von Wandstärke sprechen, meinen wir damit möglichst viel festes, gespanntes Material im Mundraum und im Gesicht.
Warum brauche ich für einen kernigen Ton hartes Material und kein Weiches?
Um das zu erklären, bedienen wir uns wieder des Vergleiches mit der Gitarre.
Ein Gitarrist würde niemals eine Gitarre spielen wollen, deren Korpus aus Gummi ist. Gummi, also weiches Material, würde die durch die Gitarrensaiten entstandenen Schallwellen nicht transportieren, sondern sie einfach schlucken, also absorbieren.
Festes Material hingegen reflektiert Schallwellen, so dass sie besser transportiert werden können.
Um einen Ton kernig zu bekommen, musst du ihn im Mundraum weit nach vorne führen. Klar also, dass du dann mit weichem Material im Mundraum nichts anfangen kannst.
Du hast aber schon etwas für eine gute Wandstärke in einigen Bereichen getan, wenn du die bisher beschriebenen Punkte umsetzt. Befühle bspw. nochmal deine Zunge, wenn du sie nicht gestaucht hast. Du wirst feststellen, dass sie aus weichem Material besteht. Jetzt stauche die Zunge und überprüfe sie noch einmal auf ihre Festigkeit. Du merkst, dass sie in gestauchtem Zustand viel härter ist.
Und auch das Aufstellen des Gaumensegels führt dazu, dass du weiches Material, nämlich das Zäpfchen, aus dem Weg räumst, und so der obere Gaumen zu einer harten Resonanzplatte wird.
An welchen entscheidenden Stellen du die Wandstärke noch verbessern musst, um kernige Töne zu singen, ist Thema des nächsten Workshops. Hier wird sich auch klären, warum gute Sänger/Innen bei einigen Tönen auch schon mal "hässlich" aussehen.
Bis dann und keep on rockin'!
Andrés Balhorn und Sir Danny Lattrich
Um diese Techniken schnell erreichen zu können, solltest du den erfolgreichsten Workshop für Rock/ Pop-Gesang in Europa besuchen. Nähere Infos unter:
www.powervoice.de 
oder
POWERVOICE, Alter Teichweg 11-13, 22081 Hamburg Fon: 040-419 277 19
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