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Vocal Workshop

Mund- und Rachenraum/Resonanzräume (Teil 1)


Beim letzten Workshop hast du gelernt, wie ein Ton produziert wird und welche Möglichkeiten Du hast, den Ton noch im Kehlkopf charakterlich zu beeinflussen. Dieses Mal verfolgen wir den Weg des Tones weiter bis zum Mund/Rachenraum, dem wichtigsten Resonanzraum beim Singen.
Du wirst erstaunt sein, welche verschiedenen Möglichkeiten sich hier bieten, dem Ton die unterschiedlichsten Charaktere zu geben.

Wenn man z.B. Axl Rose, Steven Tyler oder auch Tina Turner bei einem Live-Konzert beobachtet, wird man sehen, dass diese Profis besonders bei sehr hohen Tönen den Mund extrem weit öffnen (Steven Tyler ist meiner Meinung nach Weltmeister in dieser Disziplin). Nach diesem Workshop wirst du wissen warum.
Die obligatorische Frage also vorweg:

Warum brauche ich überhaupt Resonanzräume?
Wie du weißt, wird der Ton mit den Stimmlippen produziert. Hätte man die Möglichkeit, ein Mini-Mikrofon (Ich will hier nicht bezweifeln, dass es technisch heutzutage nicht möglich ist) direkt an die Stimmlippen zu halten, würde man von diesem Ton fast nichts hören. Um einen hörbaren Ton zu bekommen, müssen die im Kehlkopf produzierten Schallwellen verstärkt werden. Das wird nur dann funktionieren, wenn sich die Schallwellen richtig entfalten können. Dafür brauchen sie Platz.
Aufgabe der Resonanzräume ist es also, dem Ton den nötigen Raum zu geben, den er braucht.

Das ist natürlich nicht nur bei der Stimme so, sondern auch bei jedem akustischen Instrument wie Gitarre, Saxophon, Kontrabass....
Eine Akustikgitarre beispielsweise wäre kaum noch hörbar, würde man den Korpus mit Sand oder irgendetwas anderem füllen (macht natürlich keiner, oder!?!).

Beim Singen ist es so, dass der Haupt-Resonanzraum der Mund/Rachenraum ist, Der an den Stimmlippen entstandene Ton gelangt, nachdem er den Kehlkopf verlässt, in den Rachenraum, und dann in den Mundraum. Der vom Ton benötigte Platz hängt hierbei von der Tonhöhe ab.
Hierzu ist noch zu sagen, dass auch der Kehlkopf an sich schon als Resonanzraum fungiert. Aber es würde wieder einmal den Rahmen sprengen, das Ganze detailliert auszuführen.
Warum aber muss ich bei hohen Tönen den Mund extrem weit öffnen?

Um das zu veranschaulichen, vergleichen wir die Schallwellen mal mit Wasser, welches von einem Behälter aufgefangen wird. Wenn ich das Wasser eines tropfenden Wasserhahnes auffangen will, genügt mir hierfür ein kleiner Glas. Möchte ich hingegen den Wasserstrahl eines Feuerwehrschlauchs auffangen, brauche ich dafür mindestens eine Regentonne. Auf Töne bezogen ist der tropfende Wasserhahn ein sehr tiefer Ton, und der Feuerwehrschlauch steht für einen sehr hohen Bruststimmenton. Wenn du also einen tiefen Ton produzieren willst, musst du lange nicht soviel Platz im Mundraum schaffen wie für einen hohen Ton, dessen Schallwellen um ein Vielfaches intensiver sind als die eines tiefen Tones.
Probiere bitte folgendes aus:
Setze einen Bruststimmen-Ton im tiefen Bereich an (idealerweise mal wieder auf "äää"), wobei dein Mund wirklich nur leicht geöffnet ist. Dann ziehe den Ton nach oben, achte aber darauf, dass dein Mund sich nicht weiter öffnet. Aber einer bestimmten Tonhöhe wird der Ton entweder zusammenbrechen, in die Kopfstimme wandern oder er wird "nach hinten rutschen" (was dem Toncharakter eines Opernsängers gefährlich nahe kommt). Egal, was mit dem Ton passiert, du wirst ihn auf keinen Fall in der Bruststimme kernig nach oben bringen können.

Wiederhole bitte die Übung mit dem kleinen Unterschied, dass du jetzt mit zunehmender Tonhöhe den Mund immer weiter öffnest, bis du das Gefühl hast, dein Unterkiefer verabschiedet sich gleich. Achte aber bitte darauf, dass du nicht im Hals verkrampfst. Du wirst merken, dass du jetzt den Ton viel weiter nach oben bringen kannst als vorher.
Merke also: Je höher der zu singende Ton ist, desto mehr Platz wird benötigt!

Gleiches gilt übrigens für den Faktor Lautstärke. Je lauter ich meinen Ton produzieren will (und zwar ökonomisch), desto mehr Resonanzraum brauche ich. Auch dafür gibt es ein wunderbar zu beobachtendes Beispiel: Babys! Wenn man sich fragt, warum aus einem so kleinen Körper so gewaltig laute Töne entstehen können, wie das beim Heulen und Schreien der Fall ist, dann braucht man eigentlich nur auf den weit geöffneten Mund des Schreihalses zu achten, und das Geheimnis ist gelüftet.

Den Mund weit zu öffnen ist aber nicht die einzige Möglichkeit für den Sänger, den Resonanzraum für den Ton zu vergrößern. Eine weitere wichtige Technik hierbei ist das Stauchen der Zunge.
Wenn du deine Zunge herausstreckst und in den Spiegel blickst, ist das, was du siehst, nur etwa ein Drittel des gesamten Zungenmuskels. Der Rest befindet sich weiter hinten, eben im hinteren Mundraum. Gelingt es dir, einen Teil dieser Zungenmuskulatur nach vorne zu bringen, hat dein Ton logischerweise mehr Platz= Resonanzraum. Das funktioniert so: Lege deine Zungenspitze an die unteren Schneidezähne, und presse dann die Zunge nach vorne. Jetzt muss die Zunge noch nach unten gebracht werden, was du erst mal mit dem Finger ausprobieren kannst, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Position die Zunge hierbei einnimmt. Nach entsprechendem Training solltest du diese Position aber ohne Probleme sehr schnell hinbekommen. Ein Vergleich: Ein Auto, welches eine Länge von 4,5m hat und dann mit Tempo 150 gegen eine Mauer gefahren wird, ist danach nur noch 3m lang, es ist aber immer noch die gleiche Masse. So in etwa soll es sich mit einer gestauchten Zunge verhalten.

Natürlich könntest du deine Zunge auch rausstrecken, um sie aus dem Weg zu räumen. Aber das sieht auf Dauer sehr ungeil aus. (Steven Tyler nutzt dieses Stilmittel regelmäßig und bewusst und hat es sogar zum Markenzeichen gemacht).
Letztes Mal habe ich angedeutet, dir die Technik eines Axl Rose oder eines Steven Tyler zu erklären. Das muss ich leider auf nächstes Mal verschieben. Dazu nur soviel: Bei diesen Techniken spielt das Gaumensegel eine entscheidende Rolle. Und auch das Gaumensegel hält noch Möglichkeiten bereit, viel Platz für deinen Ton zu schaffen.
Also, bis nächstes Mal, und denk' immer daran bei hohen Bruststimmentönen den Mund weit aufzumachen.

Andrés Balhorn & Danny Lattrich



Alles Wissenswerte über die erfolgreiche Methode POWERVOICE erfährst Du im Internet unter:
 www.powervoice.de 
oder
POWERVOICE, Alter Teichweg 11-13, 22081 Hamburg Fon: 040-419 277 19

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