Vocal Workshop
Die Entstehung der Stimme
Ein wichtiger Satz im vorangegangenen Workshop besagte, dass Du im Halsbereich beim Singen immer locker sein solltest. Warum? Dafür müssen wir erst die Frage klären: Wie entsteht ein Ton?
Ein Ton ist nichts anderes als Luft, die beim Ausatmen durch die Luftröhre im Kehlkopf an die Stimmlippen gelangt. Die Stimmlippen geraten durch diese Energie in Schwingung. Die Luft oberhalb der Stimmlippen wird geteilt. Es entstehen Schallwellen - ein Ton.
Die Stimmlippen befinden sich horizontal im Kehlkopf und sitzen der Luftröhre auf. Sie sind ca. 1,5 bis 2,5 cm lang und bestehen aus einem Muskelgeflecht.
Wenn Du mal mit Deinem Finger Deinen Adamsapfel (auch Frauen haben einen, der jedoch nicht so ausgeprägt ist, wie bei Männern) leicht nach oben/hinten drückst, wirst Du feststellen, dass sich Deine Stimme beim Reden verändert. Die Stimmen klingt eng und dünn.
Die Stimmlippen sind innen mit dem Schildknorpel (der Adamsapfel ist der vorderste Punkt des Schildknorpels) verwachsen und gehen schenkelartig Richtung Nacken auseinander. Wenn der Hals beim Singen fest ist, wirst Du keine lockeren Töne produzieren. Wenn Du Dir technisch hervorragende SängerInnen ansiehst, wirst Du beobachten können, wie oft sie den Kopf beim Singen locker hin und her bewegen.
Wie gesagt, ein Ton entsteht dadurch, dass die Luft, die die Lunge nach der Einatmung wieder abgibt, die Stimmlippen in Schwingungen versetzt. Man stelle sich das wie bei einer Gitarre vor:
Wenn Du einen tiefen Bruststimmenton singst, verhält es sich, wie das Zupfen an einer dicken Gitarrensaite. Man braucht nur wenig Energie, um die Saite zum Klingen zu bringen. Wenn ich auf der gleichen Saite einen höheren Ton produzieren möchte, so muss ich mit einen Finger der linken Hand die Saite herunterdrücken. Dadurch verkürze ich die Saite, weniger Masse schwingt und die Spannung der Saite wird größer. Je weiter ich mich mit der linken Hand auf den Steg zu bewege, desto größer wird die Spannung, desto kürze die Saite und desto weniger Masse schwingt. Ich benötige viel mehr Energie, um die Saite zum Klingen zu bringen.
Das Gleiche geschieht bei einem Gesangston. Bei einem tiefen Ton sind die Stimmlippen kaum gespannt, Du benötigst relativ wenig Luft (Energie), um sie zum Klingen zu bringen. Je höher der Ton ist, den Du produzierst, desto mehr Luftenergie benötigst Du, um die Schwingung der Stimmlippen aufrecht zu erhalten, weil sie sich immer mehr spannen.
Ziehe jetzt einen tiefen Bruststimmenton (auf "äää") so weit nach oben, wie es geht. Du wirst feststellen, dass irgendwann ein Bruch entsteht, wo Deine Bruststimme in die Kopfstimme wandert. Das passiert, weil Du ja natürlich immer mehr Energie bzw. Luft brauchst, um einen höheren Bruststimmenton zu erzeugen. Wenn Du nun nicht mehr mit der Bruststimme höher kommst, schlägt Deine Stimme in die Kopfstimme um und bei der Kopfstimme schwingen nur noch die Randkanten der Stimmlippen und die ist fein und sehr leicht in Schwingung zu versetzen. Also hast Du in dem Bereich, wo die Bruststimme in die Kopfstimme übergeht einen Energieüberschuss.
Die geballte Ladung Luft schießt auf die Stimmlippen und plötzlich bräuchtest Du nur noch ganz wenig, um sie zum Schwingen zu bringen. Ein Kopfstimmenton ist also viel leichter zu erzeugen als ein gleich hoher Bruststimmenton, klingt aber nicht so powervoll. Natürlich brauchst Du auch mehr Energie, je höher Du die Kopfstimme einsetzt. Das gleiche Prinzip wie für die Bruststimme gilt auch hier. Je höher Deine Kopfstimme ist, desto mehr Energie benötigst Du, um diese Schwingung aufrecht zu erhalten. Im Rock-/ Pop-Gesang gilt es einen möglichst großen Bereich zu erlangen, in dem sich diese beiden Stimmen mischen. In der Klassik setzten die Sängerinnen ausschließlich die kopflastige Mischstimme ein, im Rock/ Pop wird meistens mit der brustlastigen Mischstimme gesungen, da diese an Power und Ausdruckstärke der klassischen Stimme weit überlegen ist.
Was aber macht eine Mariah Carey, wenn sie Pfeifstimme singt?
Ihre Stimmlippen sind dann so stark gespannt, dass sie nicht mehr schwingen sondern nur noch ein Loch bilden, durch das die Luft pfeift. Diese Technik kann man jedoch nur einsetzten, wenn die Stimmlippen geschmeidig sind, was viel Training bedeutet. Es ist jedoch auch so, dass viele von Natur aus eine Pfeifstimme produzieren können. Hierauf einzugehen sprengt ein wenig den Rahmen.
Wie wird eine Joe Cocker-Stimme produziert? Wenn Du schon einmal versucht hast so rau zu klingen, wirst Du feststellen, dass Du ganz schnell heiser wirst. Der Trick liegt im Einsatz der Taschenfalten. Über den Stimmlippen gibt es noch "falsche Stimmlippen", die sogenannten Taschenfalten. Sie schließen sich bei Extrembelastungen, wie z. B. beim Heben von schweren Gewichten.
Um die Taschenfalten zu trainieren gibt es folgendes Übung:
Stelle Dir vor, Du musst ein schweres Gewicht heben und mache dabei das Geräusch eines Gewichthebers (eine Art "Huh"). In den Taschenfalten ist kaum Muskulatur. Wenn Du diese Muskulatur jedoch trainierst, bist Du irgendwann in der Lage stundenlang, wie Joe Cocker zu singen, ohne heiser zu werden. Wenn nämlich durch Training die Muskulatur gestärkt ist, kommt der an den Stimmlippen erzeugte Ton durch diese aneinander gelegten Taschenfalten hindurch und ein rauchiges Geräusch erklingt.
Auf die Technik eines Steven Tylers oder Axl Rose möchte ich im nächsten Workshop zu sprechen kommen, da diese Technik nicht im Kehlkopf, sondern im Mund/ Rachenraum stattfindet, auf den wir noch zu sprechen kommen.
Und somit landen wir bei unserer Anfangsfrage, warum Du im Halsbereich beim Singen immer locker sein solltest. Stelle Dir vor, Du gibst immer zu viel Luft ab, als zur Tonproduktion notwendig. Das würde heißen, Deine Stimmlippen würden nicht nur als Tonerzeuger arbeiten müssen, sondern noch zusätzlich als Ventil gegen die ausströmende Luft funktionieren. Die Stimmlippen würden nach kürzester Zeit ermüden, Du würdest heiser werden und in extremen Fällen können die Stimmlippen sogar Schaden nehmen.
Also gilt: Anfänglich immer den Kopf leicht bewegen, damit der Halsbereich locker ist und Du nicht verkrampfen kannst.
Soweit dieser Online-Workshop, mehr in der nächsten Ausgabe, hier auf dieser Site.
Alles Wissenswerte über die erfolgreiche Methode POWERVOICE erfährst Du im Internet unter:
www.powervoice.de 
oder
POWERVOICE, Alter Teichweg 11-13, 22081 Hamburg Fon: 040-419 277 19
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