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Einsingen der Stimme

Unterschiedliche Musikstile und Einsingen?


Klassischer Gesang:
Für klassischen Gesang ist ein ordentliches Einsingen (damit ist Einsingen mit Atemstütztechnik, Tonleiterübungen etc. gemeint) unerlässlich. Da die Stimmlippen von einer Schleimhaut überzogen sind, kann es sein, dass sich etwas mehr Schleim auf ihnen absetzen und das ist für die klassische Stimme fatal, denn die Stimme klingt dann nicht mehr so rein und klar. Die Klassiker sprechen hierbei gerne von "verklebten Stimmlippen" und damit dies nicht passiert, sind Süßigkeiten wie Bonbons, Schokolade und Getränke wie Milch und Cola (alles, wo Zucker drin ist) vor Auftritten verpönt. Beim Rock-/Pop-Gesang können diese Geräusche im Gegenteil sehr reizvoll klingen und ein geübter Sänger kann mit dem Schleim sogar "spielen" und ihn effektvoll einsetzen.

singe heut abendWas auch tunlichst vermieden wird, ist Reden. Das ging an der Wiener Staatsoper so weit (und ich denke, nicht nur dort), dass die Hauptdarsteller sich am Tag der Aufführung zu sprechen weigerten. Diese Sänger hatten, für den Fall, dass dringende Fragen beantwortet werden mussten, einige Zettel und einen Stift in der Tasche.






pffWas man im Gegensatz zum Schweigen aber hinter der Bühne immer laut hörte, waren Atemübungen jeder Art. Es "Fff"te und "Sch"te aus jeder Ecke. Eine tolle Übung, die mir eine ehemalige Sängerin der Wiener Staatsoper verriet und die man, egal welche Musikrichtung man singt, machen kann, ist folgende: Während man läuft, die Luft so lange wie möglich raus pressen (auf Fließlaute wie "fff", "sss" oder "sch") und die Schritte dabei zählen. Beim nächsten Mal Luft raus lassen versuchen, noch länger aus zu atmen, also mehr Schritte zu schaffen. Der Körper wird lufthungrig und dadurch füllen sich die Lungen automatisch maximal mit Luft. So erweitert man sein Lungenvolumen. Aber bitte die Bauchmuskulatur beim Einatmen unbedingt locker lassen, sonst kann sich das Zwerchfell nicht genügend senken und ihr atmet nur nach oben in Richtung Schultern. Das einzige was sich beim Einatmen bewegen soll, ist der untere Bauchbereich, und der sollte schön dick und rund werden. Mehr Atemübungen stelle ich euch im Übungsteil vor.

Und wie sieht es mit dem Aussingen (Cool-down) aus? Dies macht kaum einer in der Praxis. Nach einer Aufführung gehen die meisten Sänger ins Restaurant und lassen dort den Abend in geselliger Runde ausklingen.

Chorgesang:
Im Chor haben die Sänger das Glück, einen Chorleiter zu haben, der mit ihnen Einsingübungen macht. Noch glücklicher sind sie, wenn der Chorleiter die Übungen variiert. Denn nichts ist langweiliger als jahrelang die gleichen Übungen zu singen.
Außerdem fördert es leider nicht die Konzentration, was sich dann gerne mit fröhlichem Geplapper bemerkbar macht und der Chorarbeit viel Zeit rauben kann.

Wie lange sich ein Chorleiter für das Einsingen bei Proben Zeit nimmt, ist Geschmackssache. Erfahrungen zeigen, dass auf jeden Fall, neben körperlichen Lockerungs-, Atem- und Gesangsübungen, Übungen für die Rhythmik eingebaut werden sollten, denn die Schwierigkeit im Chor ist, dass alle rechtzeitig einsetzen und rechtzeitig aufhören.
Beim Beobachten eines schwarzen Gospelchores fällt auf, dass sie sich alle gleich bewegen. Sie haben den gleichen "Groove". Da wir hier in Deutschland nicht die gleichen musikalisch kulturellen Voraussetzungen besitzen, müssen wir halt mehr an unserer Rhythmik arbeiten.
Dies lässt sich z. B. durch folgende Übung schulen:
Der Chorleiter gibt ein langsames Trettempo vor: Der rechte Fuß geht nach rechts und man verlagert sein Körpergewicht dort, der Linke zieht dann hinterher, tippt kurz auf und bewegt sich dann wieder nach links und verlagert dort sein Körpergewicht, der rechte Fuß folgt usw. Das ist der Grundtakt. Der Chorleiter klatscht eine kurze Rhythmusabfolge vor, der Chor muss ihn wiederholen. Dies beliebig oft und in unterschiedlichen Taktschlägen (wie der Chorleiter möchte). Diese Übung fördert nicht nur das Rhythmusgefühl und die Konzentration sondern bringt auch Spaß.

Beim Einsingen vor Konzerten muss der Chorleiter ein Gefühl dafür haben, wie lange eingesungen werden kann. Auch in Chören macht sich Nervosität breit und dann ist es nicht ratsam, sich allzu lange ein zu singen. 10 Minuten sind dann vollkommen ok.

Rock-/Pop-Gesang:
Oha! Die schockierendste Nachricht zuerst: Der Geschäftsführer einer großen Konzertagentur mit vielen Rockbands hat mir erzählt, dass der Großteil der Sänger sich überhaupt nicht einsingt. Das sind aber auch meist diejenigen, die sich so anhören, als hätten sie morgens mit Reisnägeln gegurgelt. Was auch vollkommen legitim ist. Solange sie mit ihrer Stimme nach den Konzerten keine Probleme haben, warum sollte man daran etwas ändern?

Ein beliebter deutscher Popsänger singt sich vor seinem Konzert auch nicht bewusst ein. Da er bei einer Tournee sowieso tagtäglich singt, ist seine Stimme schon gut vorbereitet. Was er aber macht ist, dass er spätestens ab dem Soundcheck zwischendurch einige von den Songs, die er später zum Besten gibt, ansingt. Nach seinem Konzert spricht und singt er überhaupt nicht und fährt meist direkt zurück in sein Hotelzimmer.
Wenn er aber nur einen Song zu performen hat (z. B. bei einer TV-Sendung) macht er vorweg ein richtiges Aufwärmprogramm mit kleinen Übungen. Sein Rat: niemals leise singen! Leise singen ist für die Stimmlippen nämlich viel anstrengender als laut. Wobei man hierbei ein gesundes Mittelmaß finden sollte. D. h. versucht niemals Vollgas zu geben oder auf Krampf gewisse Töne zu treffen, sonst ist die Stimme schon vor dem Konzert überanstrengt und ihr könnt keine 100% mehr geben.

Jeanette Wer ein Musterbeispiel für Einsingen ist, ist das beliebte deutsche Popsternchen Jeanette. Egal ob für ein Konzert, TV-Auftritt oder Studioaufnahmen, sie nimmt sich immer Zeit ihre Stimme richtig aufzuwärmen. Das Einsingen dauert bei ihr mindestens 10 Minuten, wenn sie Zeit hat bis zu 30 Minuten. Sie singt sich nach folgendem Schema ein:

Atemstütztechnik: z. B. "P, T, K" (bei jedem Konsonanten setzt man einen Impuls, der sofort wieder gelöst wird)
Alle Töne von so hoch oben wie möglich runter singen indem man die Luft durch die Lippen presst und sie so vibrieren lässt (klingt wie "Brrr"). Dies tut sie fünf bis sechs Mal.

Normale Gesangsübungen wie z. B. unterschiedliche Vokale auf Dreiklang
Nach dem Auftritt macht sie manchmal noch zwei bis drei Mal die "Brrr"-Übung, aber mehr "Cool-down" wird nicht gemacht. Ihr Ratschlag lautet: Immer Halstuch tragen und sich nicht in zu heißen/trockenen Räumen aufhalten (sonst Fenster öffnen).










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