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von Micha Keding


Rhythmik
Die unterschiedliche Auffassung der Rhythmik in der Klassik und dem Gospel lässt sich vereinfacht so darstellen:
Die Klassik versteht unter einem Notenwert die Länge einer Note und reiht diese hintereinander. Im Gospel herrscht ein Grundpuls vor, auf dem die Notenwerte als Akzent "eingesetzt" werden. Das Fließen ist hier der wesentliche Aspekt. Da es schwer in Worte zu fassen ist, versuche ich das hier graphisch darzustellen:

klassik-gospel vergleich


Die klassische Auffassung verhindert oft, dass es "groovt", denn es entsteht kein richtiger Fluss und der gleichmäßige Grundpuls lässt sich als Zuhörer nicht wahrnehmen.

Eine Übung im Chor sollte es also sein, einen gleichmäßigen Puls zu schaffen und auf diesem Puls Akzente zu setzen. Dazu marschieren wir auf den Vierteln eines 4/4-Taktes (Puls) und klatschen auf verschiedenen Zählzeiten des Taktes (Akzent).
Als Methode gehe ich mit dem Chor mehrmals jede Zählzeit (auch die "+") durch und teile dann die Zählzeiten auf verschiedene Gruppen auf.

Einige Beispiele:

 Übung 1Übung 2Übung 3Übung 4
Gruppe 1ZZ. 1ZZ. 1 2 3 4ZZ. 1 und 1+ZZ. 1 und 2+
Gruppe 2ZZ. 2ZZ. 1 2 3 4ZZ. 2 und 2+ZZ. 2 und 3+
Gruppe 3ZZ. 3ZZ. 1+2+3+4+ZZ. 3 und 3+ZZ. 3 und 4+
Gruppe 4ZZ. 4ZZ. 1+2+3+4+ZZ. 4 und 4+ZZ. 4 und 1+

Die Gruppen werden pro Übung immer wieder getauscht und das Prinzip der Übung 4 kann mehrmals variiert werden.

Beim Übergang zu einem Lied lassen wir die Chorsänger bestimmte Textpassagen akzentuiert sprechen. Weitere Tipps zum Verdeutlichen dieses Systems:

  • "Singt nicht wie eine Geige, sondern wie ein Schlagzeug!"
  • Anfangskonsonanten der Silben betont singen (auch th, l, m und n)
  • Melodieanfänge immer "zackig" einsetzen ("on the top of the beat")
Während des Singens von Liedern sollte auch marschiert werden um den Grundpuls im ganzen Körper zu spüren.

Um Synkopen, vorgezogene Noten und ungewöhnliche Rhythmen in der Masse des Chores richtig klingen zu lassen, bekommen bestimmte Noten eine Extra-Betonung (kick oder Akzent). Das musikalische Zeichen dafür sieht so aus: >

  1. alle Noten, die nicht auf den Grundschlägen erklingen ("off-beats"), also vorgezogene und nachgestellte Noten
  2. Noten, die zwar auf einen Grundschlag erklingen, aber eine "außergewöhnliche Rhythmik" im Sinne der klassischen Rhythmik darstellen
Beispiel:

Worship the lord, lets praise


Mit dieser Maßnahme bekommen wir den Chor auch dazu, bei off-beats weniger zu schleppen, da die Sänger/innen mit der Betonung automatisch schneller einsetzen.

Viel Spaß beim "Grooven" wünscht Euch

Micha

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