Rhythm & Groove
von Micha Keding
Übungen nicht nur für Jazzer
Micha Keding studierte Musikerziehung an der Hochschule für Künste in Bremen im Bereich Jazz mit dem Hauptfach Jazz-Kontrabass. Er gibt Unterricht für Improvisation/Komposition am Klavier und leitet zwei Jazz/Gospel-Chöre.
Im Folgenden möchte ich eine Übemöglichkeit vorstellen, die einen leichteren Zugang zu vertrackten Rhythmen, rhythmischen Überlagerungen und zur Bedeutung des Begriffs "Groove" bietet.
Rhythmisches Spiel hat viel mit dem Gefühl für Rhythmus zu tun, und den lehrenden MusikerInnen fällt es oft schwer, die richtige Methode zu finden, den SchülerInnen dieses Gefühl zu vermitteln.
An der Hochschule für Künste in Bremen wird ein Fach angeboten, das sich "Rhythm & Groove" nennt. Dieses Fach ist Pflichtveranstaltung für alle Studierenden der Studienrichtung Jazz. Das Wesen der Jazz- und Rock-/Popmusik besteht zu einem großen Teil aus Rhythmus, so dass für diese Musik ein Rhythmusverständnis unabdingbar ist. Aber auch für klassische Musik ist es grundlegend, sich rhythmisch sicher zu fühlen. Man denke nur an den Entertainer von Scott Joplin, der von vielen KlavierschülerInnen gespielt werden möchte und bei dem die rhythmische Überlagerung in der Melodie oft Schwierigkeiten bereitet (NB 1).
Der Begriff "Rhythm & Groove" stammt aus einem Konzept von Udo Dahm (1), und die Übungen, die hier gezeigt werden, wurden von Helge Zumdieck (2) zusammengestellt. Mit Hilfe von Silben aus dem indischen Sprachraum, die auch in anderen Rhythmusschulen vorkommen (vgl. Taketina von Reinhard Flatischler (3)) werden die Rhythmen gesprochen. Ich habe selbst gelernt durch die Übungen von "Rhythm & Groove", habe sie mit SchülerInnen und ChorsängerInnen durchgeführt und dabei sehr gute Erfahrungen gemacht.
Das Prinzip der Übungen von "Rhythm & Groove"
Es gibt zwei Raster (im Jazz: Subdivisions = Unterteilungen), auf denen die häufigsten Taktarten und Rhythmen vorkommen:
Das binäre und das ternäre Raster
Das binäre Raster (bi = zwei) sind Achtel, Sechzehntel, 32stel, usw. Das ternäre Raster sind Triolen und Sechstolen, aber auch 3/8-, 6/8- oder 9/8-Takte. Notenbeispiel 2 (NB 2) zeigt einen 4/4-Takt, einmal auf binärem und einmal auf ternärem Raster.
Nun werden verschiedene Gruppierungen zuerst gesprochen, dann geklopft oder geklatscht. Eine 2er-Gruppe wird mit "Ta Ka" gesprochen.
Eine 3er-Gruppe mit "Ta Ki Ta", eine 4er-Gruppe mit "Ta Ka Di Mi" (es gibt auch 4er-Gruppen mit "Ta Ka Ti Na"(4)).
Alle Gruppen mit mehr als vier Schlägen werden aus den vorherigen zusammengesetzt. Eine 5er-Gruppe wird in 2 + 3 (Ta Ka Ta Ki Ta) oder 3 + 2 ( Ta Ki Ta Ta Ka) aufgeteilt. Eine 6er-Gruppe kann in 2 + 4 (Ta Ka Ta Ka Di Mi) oder 3 + 3 (Ta Ki Ta Ta Ki Ta) aufgeteilt werden. Einer 7er-Gruppe in 2 + 2 + 3 oder 2 + 3 + 2 usw.
Ein Beispiel für 3er-Gruppen in einem 4/4-Takt mit durchlaufenden Sechzehnteln (d.h. auf binärem Raster) zeigt NB 3.
Das "Ta" am Anfang einer Gruppe wird betont gesprochen und später geklopft bzw. geklatscht. Deckt sich das Raster mit der Gruppe (z.B. 3er-Gruppe auf ternärem Raster), dient die Übung dazu, auf verschiedenen Achteln (oder 16teln) einzusteigen und die off-beats zu verinnerlichen (NB 4).
Richtig interessant wird es dann bei Gruppierungen, die sich nicht mit dem Raster decken. Das ergibt häufig ganz eigene oder aus dem Jazzbereich bekannte rhythmische Phrasen, die im Anschluss an die körperlichen Rhythm & Groove-Übungen auf ein Instrument übertragen werden.
Die praktische Ausführung
Als erstes marschiert man auf der Stelle und gibt damit die Viertel (sog. Downbeats) an. Durch Sprechen von 3er- oder 4er-Gruppen wird festgelegt, auf welchem Raster man sich befindet.
Die Gruppe, die darüber gelagert wird, wird erst mit Hilfe der indischen Silben gesprochen, dann auf die Oberschenkel geklopft oder in die Hände geklatscht.
Das Ziel soll sein, nicht mehr mitsprechen zu müssen und trotzdem den Rhythmus locker klatschen zu können. Mit mehreren Personen ergibt sich eine Kontrollmöglichkeit, ob es groovt, ohne dass es schneller oder langsamer wird, wenn jeder an einer unterschiedlichen Rasterstelle die Gruppierung beginnt und so ein vollständig durchgeklatschter Takt entsteht. Die Notenbeispiele 5 bis 8 zeigen Übungen zu 3er-, 4er-, 5er- und 7er-Gruppen.


(1) Der Begriff "Rhythm & Groove" wurde von Udo Dahm geprägt, der sein Konzept mit den indischen Silben auf Workshops und Meisterkursen lehrt.
(2) Helge Zumdieck, Schlagzeuger aus Hamburg, lehrt an der Hochschule für Künste in Bremen und stellte hierfür diese Übungen zusammen.
(3) Reinhard Flatischler: Der Weg zum Rhythmus: Ta Ke Ti Na, Essen 1993
(4) Helge Zumdieck entschied sich für "Ta Ka Di Mi" für eine 4er Gruppe wegen der leichteren Aussprache.
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